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Etikettenschwindel Champagner?

7. Sept.
2 Min. Lesezeit

In der modernen Popkultur wird der Champagner als das Getränk der Schönen und Reichen inszeniert. Jeder hat schon einmal die üblichen Fotogenen Schnappschüsse einer Moët & Chandon- Flasche in einem Champagnerkühler in den deutschen Restaurants hängen sehen. Das alles ist natürlich nichts neues- den Champagner als solchen gibt es bereits seit dem späten 17. Jahrhundert, ursprünglich begonnen hatten den Weinbau in der dortigen Region die Römer. Insbesondere durch die Reblausplage, zu der ich im zweiten Exkurs später im Buch etwas ausfühlicher ausführen werde, und die Mitteleuropäischen Kriege im 19. Und 20. Jahrhundert hat die Champagnerregion in Frankreich eine sehr schwierige Geschichte hinter sich. Den Verwüstungen der Britischen, Russischen und Deutschen Soldaten aus dieser Zeit ist dies aber nicht allein geschuldet. So hat es beispielsweise 1911, auch viele Male davor und danach, zahlreiche Aufstände der heimischen Winzer gegeben. Oft kamen die daher, dass die großen Champagnerhäuser zu dieser Zeit keine eigenen Rebflächen bestellt haben, sondern lediglich die Versektung und den Vertrieb des Champagners durchführten. Immer wieder kam es dann dazu, dass die Champagnerhäuser ihre Monopolartige Stellung durch das Drücken der Einkaufspreise ausnutzen wollten – und die Winzer vor Ort in typisch Französischer Manier natürlich sofort  aufständig wurden, die Champagnerhäuser niedergebrannt und die Produktion inklusive Lagerbeständen vernichtet haben. Im besagten Jahr 1911 waren diese Ausschreitungen sogar so intensiv, dass der Gouverneur der Region sich hastig in Paris meldete- und die dortige Regierung sofort 40.000 Soldaten in die Region schickte, um für Ruhe zu sorgen. Da der Streit zwischen den Vertriebshäusern und den Winzern aber trotz alledem nicht nachhaltig beigelegt werden konnte, gab es dasselbe Spiel rund einen Monat später noch einmal. 


Ein Flasche Champagner steht in einer Eisschale

Die territoriale und qualitative Bezeichnung dessen, was als „Champagner“ verkauft werden darf, ist in Frankreich schon oft Gegenstand handfester Auseinandersetzungen gewesen und wie im frühen 20. Jahrhundert einige Male eindrucksvoll dargestellt bis zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen eskaliert. Mittlerweile ist die Lage vor Ort durch einige Reformen und Paragraphenänderungen sowie einer steten Nachfrage einigermaßen befriedet.


Auf rein qualitativer und herstellerischer Ebene betrachtet aber ist der Champagner, wenn man die außergewöhnliche Geschichte dieses Produktes und seiner Ursprungsregion einmal vorenthält aber nicht mehr und nicht weniger als ein Crémant (im deutschen Sprachgebrauch Winzersekt). Normalerweise kosten Schaumweine dieser Qualitätsstufe aus den anderen Anbauregionen Frankreichs ähnlich ihrer deutschen Pendants zwischen 10-20€. Sicherlich kann man diese Diskussion ganz einfach mit einer Angebots-Nachfrage Argumentation beenden, hätten die Europäischen und insbesondere Amerikanischen Filmstudios sich in den 60er-Jahren aber beispielsweise auf den handgerüttelten Deutschen Winzersekt als Zenit der handwerklichen Fähigkeit geeinigt, wäre der Champagner heute für runde 15€ die Flasche zu haben. Am Ende des Tages schwimmt in den Augen der begeisterten, Kaufkräftigen Masse der Champagnertrinker aber sicherlich auch irgendwo die Suche nach dem verklingenden Glanz der Französischen Monarchen und ihren verschwenderischen Feten mit. Kultur oder prätentiöser Prunk - Ihr habt die Wahl!


Champagner wird in aller Regel aus drei Rebsorten hergestellt, die da lauten:

  • Pinot Noir (Spätburgunder)

  • Pinot Meunier (Schwarzriesling/Müllerrebe)

  • Chardonnay


Die Qualitätsstufe des Champagners ist international vergleichbar mit:

  • Deutschland: Winzersekt

  • Österreich: Hauersekt

  • Spanien: Cava

  • Italien: Spumante Metodo Classico

  • Frankreich: Crémant, Champagner nur aus der Anbauregion Champagne

 
 
 

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