Cuvée, Secco & Co. – was steckt in Verschnittweinen?
Aktualisiert: 12. Okt.
“Verschnittwein” – kaum ein Begriff in der deutschen Weinsprache trägt so viel unbegründetes Misstrauen mit sich herum. Das Wort stammt aus einer Zeit, in der Verschneiden auch zum Panschen genutzt wurde – mit Zucker, Wasser oder Schlimmerem, um aus schlechten Jahrgängen noch Geld zu machen. Diese Praxis ist seit den deutschen Weingesetzen des 20. Jahrhunderts streng reglementiert und hat mit dem, was heute unter “Cuvée” läuft, nichts mehr zu tun.
Was ein Cuvée heute tatsächlich ist: die bewusste Kombination mehrerer Rebsorten (oder auch Lagen und Jahrgänge), um ein Geschmacksbild zu erreichen, das keine einzelne Sorte allein liefern könnte. Bei uns steckt das zum Beispiel im Cuvée-Rotwein OX: Dornfelder und Spätburgunder liefern Frucht und Eleganz, die Rebsorte Rondo sorgt für Farbtiefe und Rückgrat. Ähnlich beim Merdinger Vintage Noir, wo Cabernet Mitos dem Spätburgunder zusätzliche Struktur und die intensive Farbe gibt, für die die Sorte gezüchtet wurde.

Verschnitten wird nicht nur bei Stillwein. Auch bei Schaumwein ist die Cuvée die Regel: Champagner besteht praktisch immer aus einem Verschnitt von Spätburgunder, Schwarzriesling und Chardonnay. Der Unterschied zwischen Secco, Sekt und Champagner liegt weniger im Verschnitt selbst als im Herstellungsverfahren und der Herkunft – wir haben das im neuen Lexikon-Eintrag “Secco, Sekt & Champagner im Vergleich” nebeneinandergestellt.
Kurz gesagt: Wenn auf einem Etikett nicht eine einzelne Rebsorte steht, heißt das nicht “zweite Wahl”. Es heißt: Hier hat jemand bewusst kombiniert – ein Handwerk, das seit den Römern zum Weinbau gehört, auch wenn der Begriff “Verschnittwein” durch die Panscherei-Skandale früherer Zeiten zu Unrecht einen schlechten Klang bekommen hat.




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